Aufwändiges Gutachten zum Wohlbefinden der Belegschaft

Für die Mitarbeiter ist es eine Sache von Minuten, für Martin König, Projektleiter Betriebliches Gesundheitsmanagement bei Otto, hingegen eine Mammutaufgabe: Um ein genaues Bild von den Sorgen und Nöten seiner Belegschaft zu erhalten, führt der Online-Versandhändler regelmäßig eine Vollerhebung per Fragebogen durch. Was es mit dem Gesundheitsindex auf sich hat und warum sich die detaillierte Auswertung des Datenbergs lohnt, erklärt sein Miterfinder gerne öffentlich – etwa am Mittwoch, 11. Mai, in seinem Keynote-Vortrag auf der Corporate Health Convention.

„Hoppla! Jetzt begutachtet mich jemand!“ Als der Gesundheitsindex 2010 bei Otto eingeführt wurde, war nicht jeder Mitarbeiter rückhaltlos begeistert. Martin König hat durchaus Verständnis für das Unbehagen, das den ein oder anderen bei der großen Fragebogen-Aktion überkommt. „Natürlich stieß das gesamte Tool am Anfang auf Skepsis. Das ist üblich und auch nicht verwunderlich, räumt König ein. Insbesondere Führungskräfte sähen darin auch eine Art Evaluationstool – und befürchteten insofern, überwacht und womöglich an den Pranger gestellt zu werden.

Kontinuierlich steigende Respons-Quote

In den vergangenen fünf Jahren hat sich diese Sorge merklich gelegt: Die Akzeptanz im Unternehmen für das Tool wächst stetig. „Wir liegen jetzt bei einer Respons-Quote von 67 Prozent – ein sehr gutes Ergebnis“, freut sich König. Inzwischen erkundigten sich Führungskräfte sogar danach, wann denn endlich die Ergebnisse vorlägen. Die Kommunikation und der Umgang mit dem Instrument haben die große Mehrheit davon überzeugt, dass die „Begutachtung“ nicht zur Kontrolle, sondern zu ihrem Wohl erfolgt – und tatsächlich zu Verbesserungen führt.

Gesundheitsmanagement als Wegbegleiter und Unterstützer


Doch wie funktioniert nun dieser Seismograph für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter? „Wir analysieren en détail, wie es um Ressourcen, Belastungen und die daraus resultierende psychische wie auch physische Gesundheit der Kollegen bestellt ist“, erklärt König. Zur Auswertung geht er mit Personalberatern und Personalentwicklern jedes einzelne Ergebnis durch, um anschließend mit der Führungskraft zielgerichtet ins Gespräch zu kommen und Maßnahmen anzuregen – auf unverbindlicher Basis. Ein „So, das wird jetzt gemacht“ würde Vorgesetzte und Mitarbeiter eher in die Defensive drängen und somit die gewünschte Weiterentwicklung verhindern, meint König. Ziel sei stattdessen, die Eigenverantwortung der Abteilungen zu fördern und Führungskräfte zu ermutigen, ihrer Rolle als Motivator, Stratege und Kommunikator gerecht zu werden.

Auch private Ressourcen spielen mit hinein


Um den Mitarbeitern die Bearbeitung zu erleichtern, ist der Fragebogen bewusst schlank gehalten. Er enthält 20 Punkte, die sich sowohl auf die betrieblichen Rahmenbedingungen als auch die persönliche Lebenssituation beziehen. „Private Belastungen werden mit in das Unternehmen hineingetragen. Das sind Rahmenbedingungen, die wir bei der Interpretation berücksichtigen müssen“, begründet Martin König diesen Vorstoß ins Private. Da das Unternehmen über eine professionelle Inhouse-Mitarbeiterberatung verfügt, biete es Unterstützung in verschiedenen Lebenslagen. „Da ist es natürlich interessant herauszufinden, ob das Angebot die Mitarbeiter erreicht oder ob wir neue Beratungskonzepte andenken müssen.“

Umstrukturierung hinterlässt deutliche Dellen


Die zuletzt erhobenen Zahlen aus dem Frühjahr 2015 ergeben ein positives Gesamtbild. „Momentan drückt den Mitarbeitern kaum der Schuh.“ Das war zuletzt noch anders: Re- und Umstrukturierungen in den beiden Jahren zuvor hinterließen Dellen im Gesundheitsindex. „Während der Veränderungsprozesse, in denen sich alles neu finden musste, war deutlich zu sehen, dass die Arbeitszufriedenheit zurückging, die Wertschätzung nachließ und damit Probleme und Schwierigkeiten zunahmen“, sagt König. Hier nutzte das Unternehmen den Index auch als Evaluationstool für den Change-Prozess. „Auf diese Weise ließ sich erkennen, wo wir handeln müssen, oder auch, wo etwas gut gelaufen ist.“

Das Tool an sich bewirkt wenig – spannend ist, was folgt


Die große Frühjahrsbefragung ist ein wichtiger Bestandteil des Betrieblichen Gesundheitsmanagements bei Otto. Künftig soll sie allerdings nur noch alle zwei Jahre stattfinden. „Wir haben festgestellt, dass der Ein-Jahres-Horizont zu kurz gegriffen ist“, erklärt König die Entscheidung. „Wirksame Maßnahmen benötigen Zeit, um sich nachhaltig zu entfalten.“ Während die Fragen immer gleich bleiben, richtet der Experte in der Auswertung den Fokus wechselweise auf verschiedene Lebens- und Berufsphasen. Zuletzt hat er die Situation der Teilzeitkräfte näher unter die Lupe genommen, weitere Analysen in Hinblick auf Alter, Geschlecht und Betriebszugehörigkeit sind geplant. „So finden wir heraus, ob es Zielgruppen gibt, um die wir uns verstärkt kümmern müssen.“

König spricht gern über den Gesundheitsindex. „Wenn uns andere kopieren, haben wir auch ein Zeichen gesetzt.“ Nicht zuletzt bietet Otto das Tool seinen Tochterunternehmen und anderen interessierten Firmen zum Kauf an. Ohnehin sei das Instrument an sich nicht das Entscheidende. „Prozessual und kulturell entwickeln wir den Index permanent weiter: Unternehmen, die das Tool übernehmen, kommen genau an diesen Punkt: Was leite ich aus den Ergebnissen ab? Das ist die eigentliche, spannende Aufgabe!“

Über die Corporate Health Convention

Die Corporate Health Convention ist die Ausstellungs- und Vernetzungsplattform zum Thema Gesundheit am Arbeitsplatz. Auf der sechsten Europäischen Fachmesse für betriebliche Gesundheitsförderung und Demografie am 10. und 11. Mai 2016 in Stuttgart präsentieren rund 150 Aussteller ihre Produkte und Konzepte zum Erhalt der Leistungsfähigkeit und Gesundheit. Ausstellungsschwerpunkte bilden die Handlungsfelder Betriebliches Gesundheitsmanagement, Ergonomie, Suchtprävention, Ernährung, Bewegun, Gesundheitssport, Arbeitssicherheit sowie Weiterbildung und Training. Für das umfangreiche Programm an Vorträgen, Diskussionen und Best-Practice-Beispielen stehen drei Praxisforen und ein Democenter zur Verfügung. Neu in 2016 sind die interaktiven Programmformate „Meet the Author“ und „Meet the Expert“. Die Corporate Health Convention ist eng verzahnt mit der PERSONAL2016 Süd, 17. Fachmesse für Personalmanagement. 

 
Über spring Messe Management GmbH 

spring Messe Management veranstaltet Fachmessen für Personalmanagement, Professional Learning, Corporate Health, Job und Karriere und den Public Sector. Langjährige Messe-Erfahrung, thematische Expertise und nachhaltige Kundenorientierung machen die Veranstaltungen von spring zu etablierten Branchenplattformen. spring-Fachmessen sind Seismographen für neue Produkte, Ideen und Managemententwicklungen. Das Tochterunternehmen der Deutschen Messe AG ist in Deutschland, Österreich, Ungarn, Russland und der Türkei vertreten.  

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